Unter Trauma wird häufig nur das sogenannte Schocktrauma verstanden. Dieses zeichnet sich in der Entstehung meist durch ein singuläres, existentiell bedrohliches Ereignis aus.

Entwicklungstrauma hingegen entsteht, nach heutigem Wissenstand, nicht nur durch gravierende oder gewalttätige Einflüsse. Sondern entwickelt sich auf eine subtilere und unterschwellige Art über einen längeren Zeitraum.

Erfährt ein Kind schon in frühen Jahren keine ausreichenden Bindungen, sondern bekommt vermittelt, körperlich und emotional nicht wirklich willkommen und angenommen zu sein; wird es zu wenig gesehen, emotional gehalten und versorgt, kann es dies als eine Traumatisierung erleben. Wird das Kind also beispielsweise häufig schreien gelassen oder kommt es zu Bindungsunterbrechungen, wie durch Krankheit der Eltern, kann das zu einer starken Belastung der Kleinkindes führen. Auch wenn es überwiegend ignoriert, vernachlässigt oder übermässig stark bestraft wird, kann dies solche Folgen haben. All diese Situationen, welche zwar teilweise eher im feineren zwischenmenschlichen Bereich liegen, führen aber beim Kleinkind zu starkem Stress. Denn schließlich ist es in den frühen Lebensjahren noch mit seiner ganzen Existenz abhängig und auf Unterstützung angewiesen. Bestimmen solche Situationen weite Teile der Kindheit, kann dies zur Entstehung von Entwicklungstrauma beitragen und könnte somit eine gravierende Auswirkung auf das spätere Leben haben.

Entwicklungstrauma nimmt in unsere Zeit einen großen Stellenwert ein. Die Symptome können denen nach einem erlebten Schocktrauma ähneln, nur dass es Betroffenen schwerer fällt sich diese zu erklären. Typisch ist ein Wechsel zwischen einer unangemessenen Übererregung und einer starken Erschöpfung. Der Körper befindet sich auch im „normalen Alltag, in einem stetigen Stresszustand aus dem die meisten weiteren Symptome abzuleiten sind. Schlafstörungen, Gedankenrasen, Innere Unruhe, Überforderungsgefühle, Depressive Phasen, Ängste, Panikattaken, sowie auch ein Gefühl von „neben sich stehen“ oder „in Watte gepackt“ und nicht mehr richtig denken zu können, sind typisch.

Die traditionellen Therapiemethoden zielen auf die emotionale, kognitive und optimalerweise auch auf die Beziehungsebene ab. Inzwischen entstehen immer mehr Therapiemethoden, welche die körperliche Ebene mit einbeziehen. Beachtet man das große Gewicht der stressbedingten Symptome, macht die insbesondere in der Traumatherapie großen Sinn. Denn bei einem unverarbeiteten Trauma ist auch der Körper teilweise, wie im Schock steckengeblieben, und muss sanft wieder in einen regulierten Zustand zurückgeführt werden.

Beispielsweise die „Somatische Emotionale Integration“ nach Dami Charf ist hierfür eine gute Methode. Hier wird sanft die alte, steckengebliebene Anspannung entladen und dem Nervensystem wieder beigebracht natürlicher zu schwingen. Das heißt, nach einem angespannten, stressigen Moment auch wieder zügig in die Entspannung zu kommen. Eben dies fällt dem traumatisierten Nervensystemen schwer und gilt es wieder zu erlernen. Diese Arbeit ist lösungsorientiert und bezieht sich sind auf das hier und jetzt, somit müssen die ursprünglichen Erlebnisse nicht erinnert und somit wiedererlebt werden. 

Sollte Dich dieses Thema näher interessieren, hier habe ich kürzlich einen Artikel darüber geschrieben.